"Das Sachsenbad in Dresden-Pieschen fristet heute – leerstehend und dem Verfall preisgegeben – sein Dasein. Aus bautechnischen Gründen wurde das Sachsenbad 1994 geschlossen – wohl in der Absicht, es nach einer umfassenden Sanierung wieder zu eröffnen. Diese steht bis heute aus! Schlimmer noch, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude scheint heute sogar vom Abriss bedroht.
Seit Jahren bemühen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger in der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad!“ des Vereins Pro Pieschen e.V. Befürworter/-innen unter den verantwortlichen Politiker/-innen zu gewinnen, Argumente für den Standort Sachsenbad zu sammeln und die Sanierung und Wiedereröffnung des Sachsenbades zu erreichen.
Die Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest hat sich mit der Geschichte des Sachsenbades befasst und verfolgt seit seiner Schließung die Diskussion um Erhalt und Wiedereröffnung. Umfangreiches Material wurde gesammelt, dokumentiert und ausgewertet: Ortbeirats- und Stadtratsprotokolle, Presseartikel und Erinnerungsfotos verschiedener Privatpersonen.
Die Zusammenfassung dieser Recherchen stellt die Grundlage dieser kleinen Broschüre dar, die das Ringen um das Sachsenbad öffentlich machen und das Sachsenbad im Bewusstsein halten will.
Allen, die dies unterstützt haben und daran beteiligt waren - herzlichen Dank!"
Brief von Heidi Geiler (Pro Pieschen) am 01.03.2011
"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hilbert,
für die Bürger/-innen, die sich seit vielen Jahren für die Sanierung des Sachsenbades einsetzen, ist es empörend, wie mit ihrem Engagement umgegangen wird.
Nachdem Politik und Verwaltung die Sanierung des denkmalgeschützten Bades seit 17 Jahren immer wieder aufschieben, wird jetzt Stimmung für den Abriss gemacht. Herhalten muss dafür ein tragischer Unglücksfall. In der gleichen Logik wäre das Unglück auch nicht passiert, wenn – wie von den Bürger/-innen seit seit vielen Jahren gefordert - das Sachsenbad bereits saniert wäre. Aber eine Instrumentalisierung des Unglücks verbietet sich moralisch grundsätzlich. Zudem wird von der Stadtverwaltung verbreitet, eine Sanierung sei viel zu teuer. Für das Geld könnten drei neue Schwimmhallen mit 25-Meter-Bahnen gebaut werden, in der offensichtlichen Erwartung, dass sich weder verantwortungsbewusste Politiker/-innen und noch vernünftige Bürger/-innen diesen Argumenten und damit dem Abriss widersetzen. Völlig zu kurz gegriffen ist der Kostenvergleich. Nach wie vor kann die Rohbaukonstruktion des Sachsenbades verwendet werden. Mit der im Auftrag des Stadtrates erstellten Nutzungsstudie der STESAD wurde eine unseres Erachtens belastbare Grundlage vorgelegt, die vor allem auch darstellt, wie wichtig für kontinuierliche Besucherzahlen die spezifische Identität des Bades ist. Hier kann das Sachsenbad als einziges historisches Schwimmbad dieser Größenordnung im Stadtgebiet und darüberhinaus ein Alleinstellungsmerkmal erzeugen, die ein Neubau eben nicht erreicht. Auch ein technisch und energetisch zeitgemäßes Niveau kann über eine Sanierung erreicht werden. Zudem ist zu bedenken, dass gerade mit Zusatzangeboten schwarze Zahlen geschrieben werden können, die beispielsweise der Schulsport gezwungenermaßen nicht ermöglicht. Flächen, z. B. für eine Physiotherapie ermöglichen Synergieeffekte. In der Studie wurden zudem auch die Umkleide- und Sanitärräume für den angrenzenden Sportplatz im Sachsenbad untergebracht. Das Sachsenbad hat gegenüber anderen Bädern den großen Vorteil, die in der Regel nur über die für ihre Nutzung unmittelbar notwendigen Flächen verfügen, zusätzliche Flächen zur wirtschaftlichen Verwertung zu haben. Die langfristige Wirtschaftlichkeit im Betrieb ist viel entscheidender als die reinen Investitionskosten. Weitere Vorteile des Sachsenbades sind seine Lage im dicht besiedelten Stadtgebiet, seine Nähe zu nunmehr 21 Kindertagesstätten und 11 Schulen, einem Altenheim in unmittelbarer Nähe und Einrichtungen des betreuten Wohnens im näheren Umfeld, seine hervorragende Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel oder auch das Heizwerk und der Brunnen zur Wasserversorgung auf dem Grundstück. Ohne Berücksichtigung dieser Bedingungen kann eine verantwortungsvolle Entscheidung nicht getroffen werden. Dabei muss respektiert werden, dass das Sachsenbad als Einzeldenkmal und mit der umgebenden Bebauung auch als Flächendenkmal unter Schutz steht. Abgesehen von der herausragenden Bedeutung für die Weiterentwicklung des Stadtteils Pieschen, sehen wir das Sachsenbad als einen wichtigen Baustein in der Bäderlandschaft Dresdens und unbedingt als Bestandteil des zukünftigen Bäderkonzeptes der Stadt Dresden. Wir fordern deshalb, auf Grundlage der vorliegenden Studie der STESAD GmbH ein Finanzierungskonzept für die Sanierung des Sachsenbades zum nächst möglichen Zeitpunkt zu erstellen und in der Haushaltsplanung verbindlich zu berücksichtigen. Das Gebäude ist bis zu einem Sanierungsbeginn entsprechend zu sichern, der unbefugte Zugang muss selbstverständlich verhindert werden. Wir fordern Sie auf, unser Anliegen ernst zu nehmen, welches wir seit nunmehr seit fast 17 Jahren immer wieder neu formulieren. Verein Pro Pieschen im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Sachsenbadinitiative und Sympatisant /-innen: Heidi Geiler"
Gerade wegen des tragischen Unglückfalls Anfang 2011 in der Ruine des Sachsenbades kämpfen viele engagierte Bürgerinnen und Bürger weiter um den Erhalt und somit eine schnellst mögliche Sicherung & Sanierung des Bauwerkes.
Das Stadtteilzentrum EMMERS unterstützt diese Initiative:
jeden Sommer erleben wir während unserer traditionellen Beachwochen - die mit einem aktiv gelebten Sachsenbad sich so nie entwickelt hätten - hunderte kleine Pieschner, welche nach "badefähigem Wasser lechzen".
Die nahe Elbe ist zum Planschen für diese Altersgruppe zu gefährlich und leider fehlt in immer mehr Familien das nötige "Kleingeld" für Fahrkarten und Eintrittspreise, so dass viele Pieschner Kinder quasi auf dem Trocknen sitzen bleiben müssen.
